Inspiriert durch Robert Häussers fantastisches Moortagebuch, in welchem er sympathisch, neben hervorragenden Aufnahmen, die alltäglichen Probleme eines jeden Fotografierenden festhält, habe ich beschlossen auch Tagebuch zu führen. Zuerst habe ich mir vorgenommen dazu jeden Tag eine Aufnahme mit einer 4×5 Inch Großformatkamera zu machen, doch aufgrund der Gesamtzahl meiner parallelen Arbeiten, erschien mir dieses Unterfangen als zwecklos. Ich habe jetzt nahezu täglich fotografiert und das Tagebuch fortgeführt, doch es fehlt mir an Disziplin und Durchhaltevermögen, mir jeden Tag für das aktive Fotografieren auf Großformat Zeit zu nehmen. Jedes Mal mit einem Rucksack spazieren zu gehen, der 10 Kilo wiegt und dann mehrere Minuten zur Installation vor Ort zu benötigen, stößt mir doch zunehmend auf. Der Mehraufwand macht das Foto nicht besser, zumindest nur um eine höhere Auflösung zu haben, die ich in der Regel gar nicht brauche – O.K. die Verstellmöglichkeiten der Großformatkamera habe ich auch benutzt. Ich lasse jedoch unzählige Motive links liegen, weil ich nicht jedes Mal die Kamera aufbauen möchte. Hätte ich für mein erstes Buch mit einer Großformatkamera fotografiert, wäre ich heute noch damit beschäftigt. Aber was zetere ich hier vor mich hin? Es geht um den Prozess und um die Übung am Gerät. Musiker:innen üben jeden Tag, im Idealfall mehrere Stunden. Warum sollte das bei Fotografierenden anders sein? Vielleicht möchte ich einfach nur ein Großformatfotograf sein, obwohl ich keiner bin – weil das cool ist. Wahrscheinlich bin ich aber einfach nicht gut genug.
Es folgen nun einige Aufnahmen, die innerhalb dieses Projektes entstanden sind und einige Passagen aus meinem fotografischen Tagebuch. Allem Anschein nach eher frustriertes philosophieren, statt sympathische Berichterstattung.
Talent ist meiner Meinung ein Begriff, den sich faule Menschen ausgedacht haben, um sich selbst besser zu fühlen und nicht etwa um anderen ihre Wertschätzung entgegenzubringen. Wenn eine Person in etwas besonders gut ist, dann liegt das demnach nur an ihrem oder seinem angeborenen Talent und nicht etwa daran, dass sie oder er vielleicht bisher einfach fleißiger oder ehrgeiziger als andere war. Für Begabungen, wie ein grundsätzlich besseres Verständnis von mathematischen Zusammenhängen, der Kunst oder Musik, die auch ein Lernen begünstigen, ist seit Geburt oder durch Erfahrungen in der Kindheit ein individueller Wert vorhanden. Auch die Intelligenz ist seit der Geburt festgelegt. Doch der Begriff Talent, wie er in der Regel Gebrauch findet, also durch eine bei der Geburt festgelegten Begabung, in einer Profession besser als andere zu sein und dafür im Umkehrschluss weniger tun zu müssen, ist meines Erachtens nach einfach nur abwertend. Denn selbst wenn die Fähigkeiten tatsächlich komplett angeboren wären, wäre das keine Gegebenheit, die ich jemandem unter die Nase reiben würde. Ich wünschte ich hätte dieses Talent, von dem die Leute immer reden.

Meine Freundin ist Musikerin und übt jeden Tag mehrere Stunden, wenn es geht. Warum sollte sich die Fotografie oder eine andere Profession von dem Musizieren unterscheiden? Genau darin liegt doch unter Umständen der Punkt, an dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Man kann nur gut sein oder etwas Solides schaffen, wenn man permanent am Ball bleibt. Das Gehirn muss trainiert werden. Nur mit permanenter Forderung können neue Verknüpfungen (Synapsen) aufgebaut und Handgriffe routiniert werden.
Es sei noch erwähnt, dass Kreativität wahrscheinlich nichts anderes als das Zurückgreifen auf ein solide verknüpftes Netz von Neuronen ist. Doch dazu gehört eben auch die fortlaufende Beschäftigung mit neuen Dingen, um kreative Verbindungen herstellen zu können. Zusätzlich wird eine ausgeprägte Medienerfahrung zur Kreativität beitragen. Dabei inspiriert nicht nur der eigene Fachbereich. Wer schon viele Musikstücke gehört, Bücher gelesen, Filme geschaut oder Videospiele gespielt hat, wird logischerweise viel mehr Erkenntnisse haben, auf die sie oder er zurückgreifen kann. Lernen ist essenziell für ein kreatives Arbeiten. Doch gleichzeitig ist Kreativität immer mit einer gewissen Entspannung verwoben. Wenn man sich stark auf eine Arbeit konzentriert, hat das Hirn keine Zeit um kreativ zu werden. Es ist mehr Freiheit nötig, damit das Hirn jonglieren kann. Das bedeutet auch, dass Arbeiten, wie das Musizieren oder eben das Fotografieren, ohne viel Konzentration funktionieren müssen, damit das Gehirn währenddessen mehr Spiel für Kreativität hat. Das erlangt man nur durch permanente Übung. Schließlich kann man nur durch ein gemachtes Foto etwas lernen.
Eine Angelegenheit, die für Künstler:innen besonders schwierig ist, ist es einen Rhythmus für die eigenen Schaffensphasen zu finden. Nicht nur, um überhaupt erst einmal gute Einfälle zu haben, sondern auch die Arbeit an verschiedenen Projekten parallel aufrechtzuerhalten. Ich habe das Gefühl, gar nicht die Zeit zu haben, mich um jedes meiner Projekte zu kümmern. Es beschäftigt mich so viel – so viele Gedanken quälen mich. Es fällt mir schwer, Dinge einfach mal ruhen zu lassen und die richtigen Prioritäten zu setzen. Doch ich habe gemerkt, dass es mir hilft, wenn ich meine Gedanken niederschreibe und allerlei Notizen anfertige. Das was auf Papier archiviert wird, kann ich aus meinem Kopf werfen. Danach fühle ich mich direkt viel freier.
Habt ihr euch schon mal Gedanken über den Begriff Talent gemacht? Wie sind eure Ansichten? Habt ihr euch schon mal intensiver mit der Kreativität befasst? Was hilft euch dabei kreativ zu sein? Wie strukturiert ihr euren Alltag? Ich freue mich über jeden Kontakt und jeden Gedankenaustausch! Bitte fühlt euch herzlich dazu eingeladen einen Kommentar zu verfassen, meinen Blog zu teilen oder mir direkt persönlich zu schreiben!
–Kersten
Die Fotografien auf dieser Seite sind als einzelne Werke zu verstehen und sind nicht zwingend in Reihenfolge oder Darstellung als meine finale Idee zu betrachten. Auch wenn diese Aufnahmen in Zukunft ein zusammengehöriges Werk bilden können, dient die hier gezeigte Form nur als informelle Vorabpräsentation. Ich habe den Bildern einige ihrer technischen Daten zugeordnet, damit diese neugierigen Anfänger:innen eine Orientierung bieten, nicht weil ich dies persönlich als wichtig erachte. Für die Erstellung meiner Texte bin ich selbst verantwortlich. Ich nutze künstliche Intelligenz lediglich für Recherchen, zur Reflexion und als Korrektorat. Das ist mir wichtig, da ich mit den Texten auch einen Teil meiner Persönlichkeit zum Ausdruck bringen möchte. So gut ich versuche meine Artikel auf Basis fundierter Sachlagen aufzubauen, kann ich nicht uneingeschränkt für die allgemeine Gültigkeit meiner Aussagen bürgen. Zudem spiegelt manches von dem hier veröffentlichten meine persönliche Ansicht wider, was ich jedoch deutlich zu markieren versuche, sofern der Fall innerhalb einer meiner Publikationen eintritt. Diese subjektive Perspektive kann sich im Laufe der Zeit ändern und muss nicht zwangsläufig meiner aktuellen Meinung entsprechen.
Ich bin Kersten Glaser, Jahrgang 1992 und komme aus Bergkamen. Fotografie ist mein Beruf und meine Leidenschaft, doch ich setzte mich ebenfalls mit dem künstlerischen Potenzial anderer Medien auseinander und habe Freude daran, mein Wissen mit anderen zu teilen. Seit 2015 bin ich gelernter Fotograf. Aktuell studiere ich die Fotografie an der Fachhochschule Dortmund.